aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Eine Sage, die auf die Handweberei im Ochsenkopfbereich in alter Zeit hinweist und darin ihren historischen Bezug hat, ist jene vorn

Weber und dem hilfreichen Zwerg

Von der Zwergenburg bei Fichtelberg wanderte einmal ein junger Weber in die Fremde, und als er wiederkam, waren seine Eltern tot, Niemand wollte den Gesellen in sein Haus nehmen, damit er darin seinen Stuhl aufschlagen und arbeiten könnte. Die Leute wiesen ihn hinaus in die alte Schafhütte, die leerstand, weil der Schäfer nicht mehr dort bleiben mochte; er hatte in der Hütte viel von einem Zwerg auszustehen, der ihn narrte und neckte und in der Nacht nicht schlafen ließ. So ging der Weber in die verrufene Hütte, richtete sie ein wenig zurecht und schlug seinen Stuhl auf. Als er nun die erste Nacht im Bette lag, erwachte er auf einmal und sah im Mondlicht einen Zwerg in der Kammer, der ging ein paarmal hin und her, besah alles und schien zufrieden und vergnügt, wie er die Kammer so ordentlich und aufgeräumt fand. Dann sprang der spannenlange Kerl über den Stuhl hinauf zum Tisch, schnitt sich ein Stück Brot ab und aß es. Darauf redete er den Weber an: "Du kannst hier die Wohnung nicht umsonst haben, aber es ist nicht viel, was ich verlange. Mit einem Stück Brot alle Tage hast du genug getan. Dafür soll dir auch ein wenig geholfen werden. Du mußt nur bei jedem Vollmond den Stuhl leer lassen und darfst dann in der Nacht nicht nachsehen, wenn die Balken knacken. Kein Mensch soll wissen, was ich zu dir geredet habe... Einverstanden?" Dem Weber war das recht, und der Zwerg hüpfte wieder auf den Boden hinunter und verschwand. Nun hatte der Weber in Bayreuth einen Meister, der ihm Arbeit und fürs erste das Zeug zu einem Tuch gab. Der Weber zog die Fäden auf und richtete es so ein, daß er bis zum nächsten Vollmond fertig war. Er ging in dieser Nacht nicht in die Webkammen Als er am nächsten Morgen nachsah, war er nicht wenig erstaunt, wie er am Stuhl einen Streifen Seidentuch angefangen fand, aber in einem so wunderschönen Muster, daß man so etwas noch nirgends gefunden hatte. Der Händler in Bayreuth gab auch gern die Seide, damit der Weber das Stück fertig machen konnte. Und schon bis zum nächsten Vollmond war der Stuhl wieder leer. Auch diesmal fand der Weber ein neues, noch prächtigeres Muster, das dem Händler so gut gefiel, daß er nicht allein das Zeug, sondern einen schönen Batzen Geld darum gab. So ging das nun lange dahin, und der Weber hatte seine guten Tage. Es sprach sich aber herum, wie fein sein Zeug wäre und was für herrliche Muster er hätte. Da packte die anderen Weber der Neid, und sie versuchten, dem Mann sein Geheimnis zu entlocken. Ja, sie führten ihn zum Wein und zahlten ihm den Krug voll. Doch er verriet nichts. Einmal aber, als er im Rausch nach Hause kam, hörte er den Stuhl in der Webkammer gehen. Daerfaßtelhn die Neugier; er wollte sehen, wie denn der Zwerg arbeite; der Weber hatte schon die Tür in der Hand, doch hielt er sich noch einmal zurück. Am Morgen aber fand er ein Muster, wie es herrlicher nicht mehr zu denken war, es war nur gegen Ende zu verwirrt, und der Mann hatte Mühe, alles wieder zurechtzukriegen. Doch mit der Zeit fand der Weber immer besseren Gefallen an dem lockeren Leben, wie es andere Weber trieben. Er lief dem Wein nach und ließ den Stuhl stehen, und als er wieder einmal heimkam, öffnete er in der Mondnacht die Tür in die Webkammer. Er konnte aber nichts erkennen, obgleich der Mond am Himmel lag; am Morgen jedoch fand er den Stuhl kurz und klein geschlagen, und die Hütte war so schlecht wie zuvor. Es tropfte durchs Dach, und von den Mauern rieselte der Kalk ab. Da nahm der Weber seine letzte Arbeit, machte sich auf den Weg und hatte vor, dem Händler alles zu sagen. Kaum war er ein Stück gegangen, da stand ein kleines Männlein da, das sprach den Weber an und sagte:"Du hast Bitteres von den Zwergen erfahren, komm mit mir, so wollen wir uns an ihnen rächen!" Dem Weber war das recht. Er holte, wie ihm der Kleine befahl, zwei Binsen, und darauf setzten sie sich nun und ritten mit den Halmen wie auf Pferden durch die Luft, bis sie bei einem steinigen Hang abstiegen. Da war eine Kluft, und sie gingen hinein. Man hörte Musik aus dem Berge, und das Männlein sagte: "Hörst du? Die Gesellschaft da unten hat Hochzeit! Sie haben aber die Braut gestohlen, und nun gehe hinein, und wenn du die Braut erwischen kannst, packe sie und bringe sie mir heraus!" Der Weber ging tiefer hinunter und sah durch einen Spalt, wie die Zwerge herumtanzten. Er sah auch die Braut, die ein kleinwinziges Wesen war; sie hatte ein Kleid an nach den Mustern, die der Weber in den Nächten auf seinem Stuhl gefunden hatte. Einmal kam ihm das kleine Dirnlein so nahe, daß er es fassen konnte, er wollte schon zulangen, aber in diesem Augenblick mußte das kleine Fräulein nießen, und der Weber sagte, wie er es von zu Hause gewohnt war: "So helf dir Gott!' Das Wort dröhnte wie ein Schlag durch den ganzen Berg, und als der Weber zu sich kam, standen die Zwerge um ihn herum und dankten ihm, daß er der Braut das gute Wort gegeben hatte. Sie sagten auch, daß sie ihm zum Dank kein Silber oder sonst derlei edle Dinge geben könnten, doch wollten sie wieder gut mit ihm sein. Und wenn er in seine Hütte zurückginge, sollte er dort allemal sein schönes Muster auf dem Stuhl haben. Da ging der Weber zurück. Er fand seinen Webstuhl aufgerichtet, und alles war wie ehedem, der Mann hatte seine Arbeit und sein gutes Brot. Er versuchte auch nie mehr, hinter das Geheimnis zu kommen.

(nach Döring, BS., auch bei Bechstein u. a.)