aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Auch zwei Feilenhauersagen sind aus dem Ochsenkopfbereich bekannt:

Der Geisterbann der Feilenhauer

Nach dem Glauben des Volkes waren Feilenhauer fromme, gottesfürchtige Menschen, die keine Sünde an sich herankommen ließen- Die Feilenhauer haßten die Lüge als Sünde, und das Eigentum ihrer Mitmenschen war ihnen heilig. Auch waren es durchwegs sehr fleißige Menschen. Sie ließen sich jedoch ihre geheimnisvolle Arbeit, die sie stets nur in der Nacht verrichteten, sehr gut bezahlen. Ihre Frömmigkeit war der Grund, daß sie Macht hatten, Geister zu bannen. Sie trugen die unliebsamen Geister in einem eigens dazu gehörigen Ranzen ins Fichtelgebirge, in die Nähe des Ochsenkopfes, und zwar an eine Stelle, die im dichten Buschwerk durch Felsengrotten gekennzeichnet war. Kam ein Feilenhauer dorthin, während er in seinem Ranzen einen gebannten -Geist trug, zeigte sich eine größere Öffnung, welche für andere Menschen unsichtbar blieb. Vor allem wurden von den Geisterbannern die grauen Männchen oder Pöbel ins Fichtelgebirge gebracht. Es war dies angeblich der einzige Ort, wo man sicher war, für immer von ihnen befreit zu sein. Das Fichtelgebirge und hauptsächlich die Nähe des Ochsenkopfes soll die einstige Heimat der herumgeisternden grauen Männchen gewesen sein. Sobald ein derartiges Wesen über die Grenze des Fichtelgebirges gebracht wurde, so mußte es dort bleiben. Wo es in alter Zeit Geister oder Gespenster zu arg trieben, holte man den Feilenhauer, damit er den Geist banne und vertrage, vorausgesetzt, daß es reiche Leute waren, bei denen es spukt. Arme Leute mußten meist ihren Geist behalten. Bezahlten die von dem Geist gequälten Leute nicht genug, so trugen die Feilenhauer zwar den Geist fort, doch nicht über die Grenzen des Fichtelgebirges. Da sie nur in diesen gebannt bleiben mußten, so kamen sie meist bald wieder. Hatte ein Feilenhauer auf seiner weiten Reise Hunger bekommen und diesen durch eine aus dem Felde entnommene Kohlrübe gestillt, legte er einen Groschen in Papier eingewickelt an die leere Stelle, damit es nicht gestohlenes Gut war. Sooft ein Bauer auf seinem Acker einen eingewickelten Groschen anstelle einer Rübe fand, wußte er, daß ein Feilenhauer wieder einen unliebsamen Geist vertragen hatte. (nach Gleichmann, BS-)

Der Feilenhauer zu Bischofsgrün

In Bischofsgrün kam ein gestorbener Bauer als Geist wieder zu den Seinen zurück, immer in der Nacht von halb zwölf bis zwölf Uhr. Zu der Zeit wurde das Vieh im Stall unruhig, denn der einstige Herr des Hauses kam wie früher bei Lebzeiten in alten Kleidern in den Stall, löste das Vieh von der Kette und ritt auf demselben wie besessen herum. Die Bäuerin und ihre Tochter wagten nicht, einen Geisterbanner zu holen, um sich durch diesen von dem Bauern befreien zu lassen. Doch der Bräutigam der Tochter, dem diese wiederholt ihre Not klagte, brachte das Opfer. Erversprach einem Feilenhauer, ihn gut zu entlohnen, wenn er ihn selbst mitgehen lasse, während er den Bauern an Ort und Stelle bringe. Der Feilenhauer ging darauf ein. Er nahm dem jungen Mann das Versprechen ab, auf dem Hinweg keine Silbe zu reden, weil sonst alles umsonst wäre. Auf dem Heimweg dagegen sei jedes Reden erlaubt. Er sagte auch noch: "Wenn wir an Ort und Stelle sind, und du willst sehen, was alles in dem großen Loch ist, in das ich den Bauern hineinwerfe, so kann dies nur geschehen, wenn du mich in dem Augenblick auf die große Zehe meines rechten Fußes trittst-" Der junge Mann versprach alles, und sie machten sich nach dem Bannen auf den Weg. Was der Begleiter des Feilenhauers aber in jenem Loch gesehen hat, war so schrecklich, daß er vor Entsetzen krank wurde und auch seiner Familie nichts davon erzählte.

(BS.)