aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Der Farren- oder Farnkrautglaube war einstens weit verbreitet. Nach Frank u- a. verschaffte dem Fam allein die Tatsache, daß er zu den Sporengewachsen zählt, die auf der Unterseite der Blätter in besonderen Behältern staubförmige, goldgelbe Körnchen hervorbringen, die der Vermehrung zu dienen haben, den Nimbus des Geheimnisvollen und Begehrenswerten. Der Same gilt als eine Emanzipation der Sonne. Er wurde mit den Sonnwendkulten in Verbindung gebracht und half zum Aufspüren verborgener Schätze. Mit seiner Hilfe waren unedle Metalle in edle zu verwandeln. Er wirkte vor allem auch dämonenabwehrend, so daß selbst der Teufel ihn floh, und wer ihn auf dem Körper trug, war vor jeder Verzauberung geschützt- Dem Jäger, der Farrensamen unters Schießpulver mengte, konnte kein Schuß fehlgehen. In die Hand gelegt, wandelte er sich in Goldstücke. Nach dem Volksglauben blüht das Farrenkraut am Johannisabend in der Nacht von dreiviertel zwölf bis zwölf Uhr. Es ist dies die von den Waldgeistern dafür bestimmte Zeit, und kein Witterungswechsel ist imstande, diese Blätter früher oder später zur Entfaltung zu bringen. Die Pflanze blüht aber nicht nur, sondern sie trägt zugleich Samen. Dieser eigenartige Same besteht aber aus reinem, lauterem Golde. Wer sich um die in der Johannisnacht besonders gefürchtete Stunde in den Wald wagt und in den Besitz solchen Samens gelangt, kann sich einen Hecktaler" erwerben- Dies kann aber nur in der Weise geschehen, daß man den gewonnenen Samen durch Verkauf an den Mann bringt und sich für dieses Geld einen Taler eintauscht. Ein Hecktaler ist dasselbe wie ein sogenannter "Wechseltaler" und hat die gute Eigenschaft, nie seinen ersten Besitzer zu verlassen: er bleibt diesem unentwegt treu und kehrt mit Beharrlichkeit wieder zurück. Nach jedem damit gemachten Kauf oder sonstiger Ausgabe findet sich dieser Taler eine Viertelstunde später wieder in der Tasche, von welcher er ausgegeben wurde. Wer also einen derartigen Taler hat, besitzt stets Geld in Hülle und Fülle. Die Sage berichtet, daß der, welchem der frevelhafte Versuch geglückt ist, der aber von dem ersten Schlag der Mitternachtsstunde noch im Walde angetroffen wird, sich zur Strafe sofort in einen ungewöhnlich großen schwarzen Hund mit glühenden Augen verwandelt und als solcher so lange im Walde leben muß, bis eine Kugel des Wilden Jägers seinem Dasein ein Ende bereitet. Auch aus dem Ochsenkopfbereich ist die Famkrautsuche am Johannistag für "sagenhafte" Zeiten benannt.

Der unsichtbare Farnkrautsucher

So gegen zwölf Uhr mittags am Johannistag lief ein Mann durch den Fichtelberger Wald. Er kam dicht an Farrenkräutern vorbei, so daß sich, ohne daß er es bemerkte, Samen an seine Schuhe hängte. Auf dem Heimweg kehrte er in einem Wirtshaus ein und verlangte zu essen und zu trinken. Da gab es eine tolle Verwirrung, weil Wirt und Gäste den Fremden zwar hören, aber nicht sehen konnten, Er nahm wohl Platz, bekam aber nichts vorgesetzt selbst als er noch mehrmals seine Wünsche geäußert hatte. Erst als er seine feuchten Schuhe ausgezogen hatte, war er auf einmal zu erkennen.

Parallel dazu wird meist noch folgende Sage angeführt:

Farrensamen als Goldkörner

An einem Johannistag war ein Mann mittags in der zwölften Stunde im Wald unterwegs und ging durch Farrenkräuter. Ein anderer Waldgänger begegnete ihm. Er fragte, was er denn an seinen Füßen habe, er wolle ihn abputzen. Das tat er auch wirklich- Er brachte dabei ein ganzes Säcklein Goldstücke zusammen, die zuvor Famsamen waren.