aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Das Natternkrönlein

Im Steinachtal arbeitete ein Knecht mit den Pferden in der Bachwiese Da sah er im nassen Gras Schlangen spielen. Darunter war eine, die hatte ein goldenes Krönlein auf dem Kopf, und die anderen Schlangen verneigten sich vor ihr- Der Knecht schaute gierig nach der funkelnden Krone, er wußte, welches Glück man damit machen kann und wie man es kriegt. Er nahm schnell sein Halstuch und breitete es ins Gras hin. Da kam die Natternkönigin her und legte das Krönlein auf das Tuch. Der Bursche sprang hin, nahm das Tuch zusammen, schwang sich auf das Roß und ritt wie wild davon. Aber er war noch kaum drei Sprünge weit, da hörte er die Nattemkönigin pfeifen. Da krochen aus allen Löchern und Winkeln, aus den Bäumen und aus dem Wasser Nattern heraus, schossen durchs Gras dahin und hinter dem Reiter her. Der Knecht wußte, wenn er den Hof erreicht hatte, gehörte das goldene Krönlein ihm, erwischten ihn aber die Nattern, so war er verloren. Und so peitschte er das Roß, daß es schwitzte. Obwohl die Nattern näher und näher kamen, so erreichte er doch den Hof und dachte sich glücklich und reich. Als er aber abstieg, schoß aus dem Schweif des Pferdes eine Natter heraus und stach den Knecht tot. Sie nahm das geraubte Krönlein und verschwand damit.

(BS. u. a.)