aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Der Glaube an die überirdischen Kräfte der Schlangen geht in graue Vorzeit zurück; ihre seltsame Erscheinung und Bewegung, die unsichtbare Wohnung das Züngeln wie besonders die Giftwirkung mußten die früheren Mensche tief beeindrucken, nicht zuletzt die Fähigkeit der Schlangen, sich durch Abstreifen der Haut zu verjüngen und damit das ewige Leben zu symbolisieren. In den Sagen erhielt die glückbringende, menschenfreundliche Hausschlange den gleiche Platz wie die kronentragende Schlangenkönigin, die ehrfurchtgebietende Schatzhüterin, die eine verwünschte Jungfrau verkörpern konnte, ebenso der Otternkönig, der menschliche Güte mit seiner Goldkrone zu belohnen beliebte. Erst das Christentum brachte die in menschlicher Gunst stehende Schlage zum üblen Tun und Treiben des Hexenvolkes in Beziehung.

(nach Frank)

Dennoch war vor allem die Ringelnatter noch bis in die nahe Vergangenheit als "Hausotter" geduldet. Sie fing vor allem Mäuse und galt menschen-, vor allem kinderzugewandt. Eine solche "Hausotter" zu töten, galt als Frevel, der sich in absehbarer Zeit an dem FrevIer selbst rächte.

Das Krönlein der Schlangenkönigin

In der Nacht zu Walburgis ging ein junger Bursch von Fichtelberg heim nach Warmensteinach. Es war Vollmond und so hell, daß man selbst Kleinigkeiten am Boden erkennen konnte. Als er an einen Kreuzweg gelangte, entdeckte er seithalbs auf einem Stein einen strahlendglänzenden Gegenstand. Neugierig betastete ihn der Bursch und erkannte, daß es ein winziges güldenes Krönlein war, dessen Rand in allen Farben funkelte. Behutsam verbarg er es in seiner Tasche und schritt darin weiter fürbaß. Doch kaum war er etwas weiter gekommen, als ein schriller Pfiff den Wald durchgellte. Und schon erschienen hinter ihm, vor und neben ihm zahllose Ottern und Schlangen, die sich um seine Füße rankten und die Seine emporkrochen, das Krönlein zu suchen. Da warf er in seiner Angst das seltene Krönlein in das Farnkraut. Und schon verschwanden die Schlangen, so daß er seinen Heimweg fortsetzen konnte. Es war das Krönlein der Schlangenkönigin gewesen, das er gefunden hatte. Es hätte ihm gehört, wenn er über das nahe Wasser der Steinach gesprungen wäre. Nicht nur das Krönlein an sich hätte ihn reich gemacht, es hätte ihm auch die vielen verborgenen, von Schlangen behüteten Schätze des Gebirges erschließen lassen.