aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Josef Babo hörte 1939 von Schulkindern aus Neubau über die Wilde Jagd erzählen:

"An einem Sonntag während des Gottesdienstes ging ein Mann aufs Vogel stellen. Als er den ersten Sprugel öffnete, hörte er von fern Sturmgeheul wir durcheinandertönende Stimmen, Hundegekläff und Pferdegewieher. Rasch kamen die Wilden Jäger näher. Der Mann sprang neben die Straße in die Büsche. Die jungen Stämmchen bogen sich bis zur Erde nieder, keines aber zersplitterte."

Die Wilde Jagd in den Zwölften

In den Zwölften geistert es in der winterlichen Flur. Geheimnisvolle Lichter leuchten bei den alten Steinkreuzen. Nebelgeister ziehen durch die Täler, durch die Lüfte saust und braust das Wilde Heer. Dieses ist in der Christnacht einem Wagner zwischen Fleckl und Fichtelberg begegnet. Ganz unerwartet schreckte ihn ein greller Schein, und hinter ihm ertönte ein dumpfes Schnauben. Als er sich umdrehte, sah er in der Luft zwischen lodernden Flammen feurige Männer auf funkenspeienden Rossen, Gestalten ohne Köpfe und noch viele andere verzerrte Dinge, Voll Entsetzen sprang der Wagner in den Wald, wo er sich im Dickicht verkroch. Lärmend jagte das Wilde Heer über ihn hinweg, bis plötzlich ein donnerartiger Krach die Luft erschütterte: "Verdammt, muß mir in dieser Nacht das Rad brechen, und unser weg ist noch so endlos weit!" Dem Grollenden entgegnete eine andere Stimme: "Fluche nicht, drunten im Dickicht hat sich ein Wagner verkrochen, der muß das Rad wiederherstellen." Schon zerrte ein feuriger Mann den Handwerker aus seinem Versteck und führte ihn zur Unfallstelle. Dort mußte er das gebrochene Rad wieder ineinanderfügen. Obwohl der Wagner nur eine Handvoll Späne als Lohn erhielt, war er froh, als das Wilde Heer wieder davonraste. Belustigt wart er einen Teil des seltsamen Lohnes auf den Weg. Daheim wollte er eben den Rest im Ofen verbrennen, als er eine wunderbare Wandlung feststellte: die Späne waren pures Gold geworden.(BS., nach Frankenheimat 12/59)