Der Wilde Jäger
Der Wilde Jäger bei dunkeler Nacht
Im wildesten Dickicht des Forstes erwacht,
Er höret den Sturm und erhebt sich im Zorn,
Er nimmt seine Hunde, das tönende Horn.
Besteigt seinen Rappen, mit Blitzesgewalt
Durchfährt er, laut schnaubend, den zitternden Wald;
Es wiehert sein Roß, tönt das Horn in der Runde,
Er hetzt die Gefährten, es bellen die Hunde
Wohlauf meine Jagd! Wohlauf meine Jagd,
Das Revier ist unser, denn jetzt ist es Nacht;
Von flüchtigen Geistern wird gerne gehetzt,
Wer sich vor Geheul und Gebelle entsetzt
So fahren sie polternd durch Lüfte dahin,
Ein Grauen dem frommen und furchtsamen Sinn;
Doch wer sich vor Wald und vor Nacht nicht entsetzt,
Der wird vom Getümmel der Geister ergötzt

Ludwig Tieck

Der Wilde Jäger am Moosweiher

Eine alte Frau berichtet folgendes: Ihr Vater sei als junger, kräftiger, furchtloser Bursche einmal mit einem Ochsenfuhrwerk in den Wald nach Holz gefahren. Auf dem Heimweg sei am sogenannten Moosweiher bei Bischofsgrün plötzlich ein Schuß gefallen, es habe dreimal "hu, hu, hu" gerufen, und plötzlich seien 100 schwarze Hunde um ihn gewesen, unter und um Wagen und Ochsen gesprungen, die Ochsen seien wild geworden, er habe sie nicht mehr halten und sich der Hunde erwehren können. In seiner Angst habe er ein Vaterunser gebetet, da habe es wieder "hu, hu, hu" gerufen, und plötzlich waren die Hunde verschwunden. Angstgeschüttelt und schweißgebadet seien er und die Ochsen heimgekommen. Als er sein Erlebnis berichtete, habe der Vater gelacht und gesagt: "Dummer Bub, das war der Wilde Jäger, der am Moosweiher umgeht."

(BS., Erstaufzeichner unbekannt)