aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Benannt seien die vom Ochsenkopf bekannten Goldwandelsagen. Die bekannteste davon war früher in allen bayerischen und fränkischen Lesebüchern enthalten:

Das Goldlaiblein

Altfassung von Holtzmann (bei Görwitz in dessen "Deutschem Sagenschatz"):

Einst hüteten am Ochsenkopf zwei Knaben und ein Mädchen. Die Knaben waren Kinder wohlhabender Landleute; des Mädchens Eltern aber waren arm. Die kleinen Gefährten erzählten sich allerlei Märlein, die sie von den Geistern des Ochsenkopfes wußten, Da gesellte sich zu ihnen ein graues Männchen, das aufmerksam ihren kindlichen Gesprächen zuhörte, Endlich sprach es: "Ihr seid gute Kinder; darum will ich auch nicht von euch gehen, ohne euch zu beschenken." Es zog aus der Tasche drei Laiblein Brot und gab jedem Kind eines. Darauf entfernte es sich. Die beiden Knaben lachten ob des ärmlichen Geschenks und hielten es nicht wert. Der eine nahm sein Laiblein und warf es auf die Erde. Es hüpfte den Berg hinab in possierlichen Sprüngen, bis es sich zwischen struppigem Gebüsch verlor. Da sprach der ändere Knabe: "Halt, mein Laiblein muß das deinige suchen!" und warf es ebenfalls auf die Erde. Es nahm denselben Weg wie das erste. Nun wollten die leichtsinnigen Knaben auch das Mädchen bereden, ihr Geschenk wegzuwerfen. Die Kleine aber hüllte es eilig in ihr Schürzlein und sprach: Wie wird es meine Eltern freuen, wenn ich ihnen etwas mit nach Hause bringe!" Als sie aber heimkam und man das Brot aufschnitt - siehe, da war ein Klumpen Gold hineingebacken, und Reichtum war eingezogen, wo sonst Mangel herrschte. - Als die beiden Knaben von dem Glück ihrer Gefährtin hörten, gingen sie zurück, die verschmähten Geschenke des grauen Männleins zu suchen. Allein es war vergeblich.

Lesebuchfassung bei Grimm:

Das Goldlaiblein

Am Ochsenkopf hüteten in einem Sommer zwei Knaben und ein Mädchen immer beisammen. Die beiden Buben gehörten reichen Bauersleuten an; das Mädchen aber war die Tochter eines armen Taglöhners, und die Knaben hätten es wohl kaum mitgenommen, wenn es nicht so viele Geschichten von Geistern auf dem Fichtelberg gewußt hätte. An einem Nachmittag saßen die Kinder wie gewöhnlich jedes auf einem großen Stein, und das Mädchen erzählte. Da kam plötzlich durch das hohe Waldgras etwas dahergehoppelt wie ein Hase. Es war aber ein Männlein, kaum so groß, daß es den Buben bis ans Knie gereicht hätte, jedoch mit einem langen Bart, auf den es bei jedem unvorsichtigen Schritt trat und dann fast kopfüber schoß. Als es vor den Kindern stand, nickte es ein paarmal rasch, zwinkerte ihnen mit seinen kleinen Äuglein zu und zog die Stirn so drollig und schnell auf und nieder, daß die Kinder hellauf lachen mußten. Das Männlein lachte mit, wie wenn ein Geißlein zu meckern anfängt, warf seinen Zwergsack ins Gras, setzte sich darauf und blickte die Kinder lustig an. Allmählich beruhigten sie sich, und das Mädchen erzählte unbekümmert weiter, eine Geschichte nach der anderen, bis die Sonne sank. Das Zwerglein horchte andächtig zu, nickte nur manchmal heftig oder schüttelte den Kopf, daß der lange Bart hin und her wackelte. Als es Zeit zum Eintreiben war und die Kinder von ihren Steinen heruntersprangen, stand auch das Männlein auf und sagte mit seiner quäkenden Stimme: "Ihr seid gute Kinder, ihr habt mir nichts zuleide getan; ich will euch darum etwas schenken." Dabei langte es tief in den Sack, zog drei kleine, braune Brotlaiblein heraus und gab jedem Kind eins. Dann zwinkerte es jedem noch einmal zu, besonders dem Mädchen, und war mit einem Satz zwischen dem Gras verschwunden. Da sagte der eine Knabe protzig: "So was hab' ich alle Tag' und noch viel schöner und besser! Meine Mutter tät's doch nur in den Säutrog werfen!" Damit schleuderte er sein Laiblein weit weg; es kollerte noch eine Weile den Abhang hinunter und blieb dann in einem Busch liegen. "Halt", schrie da der andere, Jetzt soll mein Laiblein deines suchen!" Er gab dem Brot einen Schwung wie einer Kegelkugel, daß es in großen Sprüngen bergab hüpfte. "Und nun kommt deines!" rief der erste wieder und wollte dem Mädchen das Brot aus der Hand reißen. Das Kind aber steckte es unter seine Schürze und sprach abwehrend: "Meine Mutter sagt immer: Die edle Gottesgabe', wenn sie einen frischen Laib Brot in die Hand nimmt- Sie wird sich freuen, wenn ich ihr das Laiblein bringe, und meine Geschwister auch; bei uns werden die Stücklein Brot so schon immer kleiner." Dann lockte sie ihre Geißen und trieb heimwärts. Die Buben folgten ihr zwar, hörten aber nicht auf, sie zu necken, weil sie ihr Laiblein mit zwei Händen unter der Schürze festhielt. Als die Mutter daheim das Brot anschnitt, fielen ein paar funkelnagelneue Goldstücke heraus, und es zeigte sich, daß das Laiblein hohl war und innen ganz mit Gold ausgefüllt. In der Nacht noch lief das Mädchen zu seinen Kameraden und erzählte ihnen sein Glück. Aber obwohl die beiden schon beim Morgengrauen in den Wald eilten und jeden Busch durchkrochen, ihre Laiblein waren und blieben verschwunden.

Anm.: Die (ausgeschmückte) Grimm'sche Fassung-Ist in nahezu allen Sagenbüchern neuerer Zeit verbreitet.