Das Schloß im Ochsenkopf

"Auf dem Ochsenkopf ist ein verwunschenes Schloß mit vielen Schätzen versunken. In den unterirdischen Gemächern hängt Gold und Silber herunter wie Eiszapfen. Am Johannistag um die zwölfte Stunde ist der Berg offen. Die Kapelle des Schlosses, weiche gerade unter dem Felsen gegenüber der Kirche von Bischofsgrün liegt, ist gleichfalls gefüllt mit unendlichen Schätzen an Geld und Edelsteinen. Wenn der Pfarrer von Bischofsgrün am Johannistag das Evangelium von der Kanzel herab verkündet, öffnet sich die Kapelle, um mit Ende des Evangeliums sich wieder zu schließen. Wehe dem, der dann die Frist übersieht: er wird zurückbehalten. Dagegen glücklich, der die kurze Zeit zu benutzen wußte; er kehrt reichbeladen heim."

Bei Reichold:"Der bösartige Zauberer hatte das stolze Schloß seines Feindes am Steinbühl, oberhalb Föllmar, mit Bewohnern und seinem ganzen Reichtum samt der goldstrotzenden Kapelle tief in das Innere des Fichtelberges versenkt. Die Seelen der Vergrabenen sehen fromme Leute an bestimmten Tagen wie blaue Flämmchen am Waldrand langsam dahinschweben. Jede sucht einen Erlöser, der sie ergreife und in die Kirche nach Bischofsgrün trage, von wo aus sie zur ewigen Seligkeit eingehen könne. Der Zauberer hat in seiner Verwünschung gesprochen: "Solange der Pfarrer in Bischofsgrün von der Kanzel herab an einem Johannistage, der auf einen Sonntag fällt, das Evangelium verkündet, öffnet sich der Berg. Schloß und Kapelle laden in voller Pracht zum Besuch ein. Jedes Menschenkind, das in dieser kurzen Zeit an den geöffneten Berg kommt, kann sich von den vielen Reichtümern ungestraft nehmen, was es will. Hält es aber die Habgier so lange im Banne, so hat es sein Leben verwirkt. Mit dem Amen des Geistlichen schließt sich der Berg für Jahre. Der gefangene Besucher fährt zur Hölle. Reichtum erwirbt sich hier nur der Bescheidene, der sich rasch, ohne lange zu wählen, mit wenigem zufriedengibt." Noch nie hörte man, daß jemand im Berge sein Glück gemacht habe. Sind sie wohl alle darin verschollen?

Daß es aber insgesamt in der Julnacht am Ochsenkopf nicht geheuer ist, unterstreicht noch die nächste Sage: