aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

"Der Köhler im Berge"

Auf dem Ochsenkopf befindet sich nach der Sage eine Kapelle, die Geisterkapelle, gerade unter dem Felsen, welcher der Kirche von Bischofsgrün gegenüber liegt, gefüllt mit unendlichen Schätzen an Gold und Edelsteinen. Am Johannestage, wenn der Pfarrer von Bischofsgrün das Evangelium von derKanzel herab verkündet, öffnet sich die Kapelle, um mit Ende des Evangeliums sich wieder zu schließen. Wehe dem, der dann die Frist übersieht: er wird zurückbehalten. Dagegen glücklich, der die kurze Zeit zu nützen wußte; er kehrt reichbeladen heim. -An diesem Tage wächst dort eine einzige Blume ihrer Art; sie ist der Schlüssel zum Öffnen der Kapelle. Vor vielen hundert Jahren glückte es mehreren Landsleuten der Gegend, sie zu finden und die Kapelle zu öffnen; sie konnten sich nicht satt sehen an den Herrlichkeiten drinnen; Altäre und Kanzel waren von Gold, die Säulen von Silber, mit Edelsteinen besetzt. Einst regnete es an diesem Tage, und Hanß Rödel, ein Köhler aus Bischofsgrün (nach Will), wollte seine Kohlen retten. Er war in den Wald geeilt, als die Glocken eben zusammenläuteten. Da sah er die Kapelle offen, trat ein und der Glanz des goldenen Altares trat ihm entgegen. Er life nach Hause, um Leute zu holen, allein das Läuten nahm ein Ende und der Köhler vernahm nur mehr das Zusammenstürzen der Kapelle. Die vorstehende Sage wird bereits berichtet von Johann Christoph Pachelbel in seiner "Ausführlichen Beschreibung des Fichtelberges in Nordgau liegend" aus dem Jahre 1716: "Ehe bevor ich den Ochsenkopff gar verlaße / muß ich noch einer besondern Abentheuer gedencken / Wie sie mir erzehlet worden / wie wahr sie aber sey dafür stehe ich nicht / weil ich nicht dabey gewesen. Ein alter Fichtelberger erzehlte mir nehmlich / daß es an einem göldenen Sonntag einsmahls frühe geregnet / so habe der Aschenbrenner umb die Aschen zu retten / hinauf in den Wald geeilet; da man nun indessen unten im Dorff Bischoffsgrün zusammen geschlagen /siehet er ungefehr in einem FelßWand eine Oeffnung / daselbstgehet er hinein/ und siehet mit erstaunen einen Altar / von gediegenem Gold / worüber er sich entsetzet / herauslauffet / den Ort bemercket / und will es seinen Cammeraden im Dorf sagen / höret aber zugleich ein entsetzliches Brechen hinter ihm her/ und konte die Oeffnung nicht mehr finden. Dabey / spricht er / sey die gemeine Sage / daß / wann zu Bischoffgrün Kirche gehalten werde / so gehe diese Geister-Berg- und WaldKirche zugleich an wie dann auch beede Dorff- und Berg-Geister-Kirchen, gerade auf einander sehen und just gegen über stehen sollen."

Die bekannteste Schatzsage des Ochsenkopfes aber spielt in der sog. "Geisterkirche" im Zusammenhang mit dem Verschwinden und Wiedererscheinen eines Kindes. Hier handelt essichjedoch eindeutig um eine Wandersage (gleiches Motiv bei "Goldkapelle am Epprechtstein", "Jungfrauen(Dreifräulein)sagen von Kirchenlamitz" u. a.).