aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Die Schätze im Berg (Johannistag und Zauberblume)

Allgemeine Überlegungen

Wie könnte es im Sagenreich des Ochsenkopfes anders sein als an anderen Sagenorten: Ohne Wunderblume erschließt sich keine unterirdische Welt mit ihren Schätzen, reichen Herrlichkeiten und glückbringenden Besonderheiten. Sie bieten sich hier in einer im Berg verborgenen (auch versunkenen) Geisterkirche bzw. einem Geistersaal an. Auch bedarf es zudem natürlich eines besonderen Glückstages, des Johannistages, der auch andernorts Burg- und Schatzzugänge offen werden läßt. Daß dann noch Sonntagskinder am meisten Glück haben (zusammen mit Zauberblume und an Johanni), steht außer Zweifel. Denn entweder ein Bund mit dem Teufel oder eben das Glück zu haben, ein Goldenes Sonntagskind zu sein, waren wesentliche Voraussetzungen für Zugang und Erfolg. Dann konnte man damit rechnen, an einem Johannistag die"Wunderblume" zu finden, mit deren Hilfe sich jede zu einem in der Tiefe liegenden Schatz weisende Türe öffnen ließ. Sie trat als Schlüsselblume oder als Springwurz auf, war jedoch nur schwer zu entdecken. Sie konnte auch leicht wieder fortspringen, wenn man nach ihr greifen wollte ... Die Vorstellung der Zauberblume geht zurück bis ins frühe Mittelalter, wird aber besonders verstärkt (und auch oft nur ausschmückend) eingebracht in Sagen in der Zeit der Romantik. Das Zauberblumen- wie auch das Schatzmotiv sind sog. Wandermotive (siehe Nordeck -Ährenkönigin-Sage u. a.).Wunderblumen vermochten sich aber auch unmittelbar in blankes Gold zu verwandeln. In manchen Sagen sind es Hirten, die nahe ihrer Hüteplätze eine Schlüsselblume finden und damit ein Felsentor öffnen können, hinter dem der Schatz lagert. Die glücklichen Finder lassen freilich in ihrer Hast vielfach die Blume in der Schatzhöhle zurück und vermögen dann niemals mehr dahin zu kommen. Die bekannteste Sonnwendblume war jedoch der Bergwohlverleih, die spätere Joharinisblume oder Amika, die am Johannistag gesammelt als besonders heilkräftig, aber auch wuridertätig galt. Daß außerdem dort, wo im Berge Könige und Kaiser beheimatet sind, auch reiche Schätze in Sälen und Kirchen zu finden sein müssen, darf als"logische Konsequenz" solcher Sagen angesehen werden. Übrigens werden Sagenschätze selten ganz gehoben; meist darf der mit ihnen konfrontierte Glückliche nur davon nehmen, was er auf einmal tragen kann.