aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Die Schrezeln

Ein recht naher Bezug zu den Waldweiblein ist zu sehen bei den sog. Schrezeln. Von ihnen wird erzählt, daß es sich um kleine Männlein, Zwerge, handelte, den Heinzelmännchen vergleichbar. Während des Tages hielten sie sich im Fichtelgebirge in Felsspalten und Erdlöchern auf, nachts gingen sie in die Dörfer, aber nur zu guten Leuten. Sie waren dabei den Menschen in vieler Hinsicht dienstbar.

Darauf sei noch hingewiesen: Sagen aus dem Kösseine- und Steinwaldgebiet sprechen und erzählen von Haukerln. Sie sind vorstellungsmäßig mit den Schrezeln des Ochsenkopfgebietes identisch.

Die Schrezeln des Kunersbauem

Beim Kunersbauern in Reichenbach bei Mehlmeisel hielten sie sich sehr gerne auf. Sie besorgten Haus und Hof, Stall und Vieh, Küche und Keller und waren unermüdlich. Die Kunersfrau sah ihnen oft zu, natürlich versteckt, und hatte ihre reinste Freude an dem kleinen Völklein. Was man ihnen an Lebensmitteln hinlegte, verschmähten sie. Sie wollten keinen Lohn, halten sich Weizenkörner und Pferdezucker aus den Futterkisten und stillten damit ihren Hunger. In einer bitterkalten Wintemacht mußte nun die Bäuerin beobachten, wie die Schrätzlein ihre Hände heben, die Arme schlenkerten und auf- und abhüpften, um sich zu wärmen. Die Kittel sind aber auch gar zu dünn, und von den Höschen hängen gar die Fetzen herunter, dachte die Kunersfrau. Rasch machte sie sich an die Arbeit, nähte fleißig, und bald lagen auf Tisch und Bänken Kittelchen und Höschen und das war sogar dem sonst sparsamen Kunersbauem nicht unrecht. Die Männlein betrachteten nachts die Sachen mit Staunen, probierten und paßten sich die Kleidungsstücke an, stolzierten und tanzten in der Stube herum und vergaßen ganz auf die Arbeit. Nur ihr Ältester saß betrübt auf der Ofenbank und sagte vor sich hin: Das ist unser Lohn. Nun müssen wir davon! Sie glaubten, sie hätten ihre Arbeit schlecht gemacht und die Kunersleute wollten sie nicht mehr im Hause haben. Darum herrschte bald große Trauer unter den Wichteln und sie machten sich zum Fortgehen bereit. Der Zwergälteste sprang in einem Satz auf das Fensterbrett, stemmte das Fenster auf und schnellte ins Freie- Ihm folgten seine Gesellen, einer nach dem anderen. Da war auch die Bäuerin tief enttäuscht und traurig; denn die kleinen Hilfsgeister ließen sich nimmer sehen. (i. BS., nach Stäudel)