aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Die böse Moornixe vom Fichtelsee

In der Seelohe lag nahe einer seltsamen Felsgruppe, dem sog. Totenkopf, ein trüber, schwarzer Weiher. Er wurde von einem Quellbrunnen gespeist. Eine Wassernixe wohnte mit ihren zwei Dienerinnen in diesem Brunnen unter der Erde. Sie lockte schöne Burschen in ihr unterirdisches Reich, nach sieben Tagen spülten dann die Wellen des Schwarzen Weihers deren Leichen ans Ufer. Einst war wieder ein Bursche trotz der Warnungen der Eltern und Bekannten zum Brunnen am Totenkopf gegangen und nicht mehr zurückgekehrt. Lange suchte man ihn vergebens. Sieben Tage darauf trat der Schwarze Weiher aus, während ein furchtbares Unwetter tobte, Als sich die Leute wieder aus den Verstecken heraustrauten, fand man die Leiche des Vermißten, die sich quer vor den Abfluß des Weihers gelegt hatte und so den Ablauf des Wassers behinderte. Der Körper war wie bei den früheren Opfern mit einem feinen Netz umwickelt, in der rechten Hand hielt der Tote eine Wasserlilie. - Die Leute verließen nun diese unheimliche Gegend und von nun an mieden selbst Holzhauer und Beerensucher den Bereich des Totenkopfes, Die Nixe, die ihren Opfern den Lebenssaft aussaugte und dadurch ihre Jugend und Schönheit erhielt, war nun dieses Mittels beraubt und sie begann zu altem. Da beschloß sie in ihrem Grimm, die ganze Gegend zu vernichten. Einmal gegen Mitternacht begann ein fürchterlicher Sturm zu wüten. Am anderen Morgen war der ganze Bereich des Totenkopfes verwüstet. Der Schwarze Weiher war in einen grundlosen Sumpf verwandelt. Heute heißt man ihn die Seelohe. (BS, Hanika u. a.)

Die zweite Version sagt indes das Folgende aus:

Das Moosweiblein vom Fichtelsee

Das Moosweiblein, das in unvordenklicher Zeit im weiten Fichtelsee lebte, trug über seinem Körper ein weiches, samtiges Mooskleid, sein Haar bestand aus langen dünnen Pflanzenfäden und seine Augen leuchteten in einem unwirklichen graugrünen Glanz. Man konnte es gut beobachten, wenn es übermütig auf der Wasseroberfläche dahinhüpfte, sich in den Zweigen der Uferfichten wiegte oder hin und wieder versonnen auf einem Baumstamm kauerte. Jedermann wußte aber auch, daß das elbische Wesen die Menschen haßte und ihnen Gewalt antat, falls es ihm gelang, sie mit süßem, lieblichem Gesang zu bannen. Wer sich dann, von der Stimme betört, vielleicht auf das moorige Gelände gewagt hatte, spürte bald den Untergrund nachgeben, so daß er lautlos im tiefgründigen Wasser versank. Der Haß des tückischen Weibleins sollte daher rühren, daß es sich über die nach Metallen schürfenden Menschen, die ihm durch ihr Handwerk die Ruhe raubten, ärgerte. Wer aber etwas besser Bescheid wußte, konnte erzählen, daß das Moosfräulein gerne den See verlassen und die Gesellschaft der Menschen gesucht hätte, wenn es nur nicht sofort unter deren Herrschaft gekommen wäre. Als sich schließlich lange Zeit keine Menschen mehr am Fichtelsee hatten sehen lassen, glaubte das Weiblein, sie seien ausgestorben, und verließ an einem Johannistag ihr unterirdisches Reich. Es bestieg den Nußhardt und hielt von den hohen Felstürmen aus Umschau über das herrliche Land. Da kam unerwartet ein kräftiger junger Mensch des Weges, dessen Lederschurz auf einen Schmied schließen ließ. Schon wollte das Moosweiblein fliehen, doch der Mann holte es ein, nahm es mit sich und machte es sich untertan. Haßerfüllt sann es auf Rache. Eines Tages verstopfte es den unterirdischen Zufluß des Fichtelsees, damit das Wasser die Schmiede überflute und zerstöre und es selbst hernach wieder frei werde. Doch der Berggeist gab dem steigenden Wasser einen neuen Lauf und ließ es als Quelle auf der anderen Seite des Berges herausspringen. Daher mußte das enttäuschte Weiblein weiterhin dem Schmied dienen, bisdieserstarb. Erst dann konntees wieder zum Fichtelsee zurückkehren, aber dieser war inzwischen fast eingetrocknet und zu einem Sumpf geworden. Damit hatte das Moosweiblein seine Heimat verloren, irrte im Gebirge verstört herum, mied dazu hartnäckig jede Begegnung mit Menschen, die es höchstens aus der Ferne sehen und beobachten können. (nach Frank, ähnlich bei Diezel, Schwärzer, im BS. u. a.)