aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Der Schmied vom Fichtelberg

Ein Schmied am Fichtelberge ging einst um einen Acker und gegen den Wald hin. Da sah er eine. alte verfallene Burg, und auf der Mauerbank lehnte ein Mann, so alt und grau wie der Stein selbst. Er winkte dem Schmied heranzutreten, und als dieser näher kam, richtete sich der Alte auf., Seine Glieder klirrten dabei wie Eisen vom Harnisch. "Willst du mir meine Rosse beschlagen?" fragte er den Schmied, und als sich dieser bereit erklärte, führte er ihn durch ein offenes Tor in eine weite Halle. Hier stand eine Reihe von Pferden, so weit hinaus in die Ferne, daß man sie nicht übersehen konnte Der Schmied staunte und fragte: "All diese Pferde soll ich beschlagen?" Der Mann aber schüttelte das Haupt; es genüge schon eines für alle. So trat der Schmied an die Esse. Werkzeug lag bereit. Erschlug dem Gaul, der zunächst stand, die Eisen auf. Darauf führte ihn der Afte wieder zum Tore hinaus und als er sich umdrehte, lag nichts als ein mächtiger Steinhaufen hinter ihm. Er merkte aber im Gehen, daß ihm die Rocktaschen schwer gegen die Beine schlugen. Er griff in eine und zog Roßäpfel heraus. Ärgerlich warf er sie hinter sich. Dann langte er in die andere und brachte eine Hand voll großer Goldstücke zum Vorschein- Schnell kehrte er um, er wollte die weggeworfenen Pferdeäpfel wieder aufklauben, fand aber nichts mehr. So ging er heim und geraden Wegs in seine Schmiede. Da stand aber ein anderer Schmied am Feuer. Es waren seitdem zehn Jahre ins Land gegangen, und sein Weib hatte inzwischen einen anderen geheiratet.

Schönwerth

Weiterer bekannter (dezitierter) Schluß: So ging er denn schließlich heim. Doch wie erstaunte er, als er aus seiner Schmiede Hammerschläge vernahm und einen fremden Mann hinter seinem Amboß stehen sah. Ein kleiner Bub spielte vor dem Haus, und ein hübsches Mädchen von etwa elf Jahren saß dort mit einer Handarbeit. Er trat ein und ging zu seiner Frau, doch die erkannte ihn nicht mehr. Zwar erzählte sie von ihrem früheren Mann, doch der sei schon seit zehn Jahren verschollen- Unserem armen Schmied fiel es wie Schuppen von den Augen: Alle hatten geglaubt, er sei tot, und so hatte sich seine Frau wieder verheiratet. Traurig legte er dem Mädchen, seiner Tochter, die Handvoll Goldstücke in den Schoß und verschwand dann im Wald. Niemand hat ihn je wiedergesehen.