aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Kaiser Karl

Aber auch die Sagen von dem im Ochsenkopf ruhenden Kaiser Karl dem Großen und seinem Frankenheer haben zumindest entfernt historischen Hintergrund. Nicht umsonst führte der Slawenfeldzug Karls 805/806 über das Fichtelgebirge, das dabei zumindest Auf- und Durchmarschgebiet war, worüber die Altstraßenforschung zu berichten hat. Der Feldzug brachte eine Niederlage der Böhmen und zugleich die Sicherung und Stärkung der fränkischen Einflußausdehnung nach Osten.

Darstellung nach Raff: Jm Fichtelgebirg in den unterirdischen Hallen des Ochsenkopfs soll Karl der Große schlummern. Er sitzt auf einem Stuhl vor dem steinernen Tisch, um den sein Bart schon zweimal herumgewachsen ist. So oft der Bart einmal herumwächst, fliegt ein Vogel, der bei dem König sitzt, aus dem Berg heraus und schaut, wie die Dinge in der Weit draußen stehen, und gibt seinem Gebieter die Kunde. Mit dem Herrscher lebt ein großes Heer im Berg; das übt er oft in den Waffen, und jedesmal, wenn das geschieht, entsteht draußen ein arges Donnerwetter. Es heißt, wenn der Bart dreimal um den Tisch gewachsen ist, wird der Kaiser mit all seinen Scharen hervorbrechen aus dem Berge und gen Mitternacht ziehen, um die Entscheidungsschlacht zu kämpfen gegen den Antichrist, der mit großer Heeresmacht von Norden daherzieht."Eine eingehendere Fassung der Sage findet sich bei Döring (a. a. 0.):In der Tiefe des Ochsenkopfes schläft Karl, des alten Reiches großer KaiserEhe er starb, hatte er befohlen, man solle seine Leiche im silbernen Sarge auf einen mit sechs weißen Ochsen bespannten Wagen legen und die Tiere ihres Weges ohne Führer gehen lassen, wohin sie wollten- Da, wo sie stehen blieben, sei seine Ruhestätte. So geschah es. Der Wagen wurde bis zum Ochsenkopf gezogen, da hielten die Tiere bei einer goldenen Halle. Und nun erfüllte ein Dorinern und Brüllen die Luft, die Erde tat sich auf, und die Halle samt Wagen und Gespann senkte sich tief in den Berg hinein. ... (ab hier wie bei Raff)

Es wird auch erzählt, ein altes Weib, dem Kaiser Karl auf seinem letzten Kriegszuge denJetzten Laib Brot weggenommen, hätte ihn verflucht, mit all seinen Leuten im Berge zu schlafen, bis sein Bart neunmal um den Tisch gewachsen ist. An einem heiligen Tage geschah es einmal, daß sich der Berg eine kurze Zeit auftat. Da sah ein Mann hinein und sah die Fahnenschmiede schlagen, und rechts und links ruhte eine zahllose Menge schlafender Kriegsknechte. Der Lauscher trat ein wenig hinein, und gleich riefen ihm die Schmiede zu: "Wecke keinen auf Der Mann gab wohl sehr acht, er stieß aber doch unversehens mit dem Stiefel aneinen Schläfen, der fuhr gleich hastig auf und fragte: "lst es schon an der Zeit? DieSchmiede antworteten:"Noch nicht, Bruder!"und nun legte sich der Soldat wieder ruhig zu seinen Kameraden. Wenn aber die Zeit des Kaisers vollendet sein wird, bricht er mit all seinen Heeren aus dem Berg hervor und zieht zum letzten schweren Streite. Dann wird viel Elend über das deutsche Land kommen, am Ende aber wird es groß und herrlich sein.

Eine Altfassung findet sich bei Meister (a- a. 0.): In den Goldhallen des Ochsenkopfes schlummert Kaiser Karl der Große. Er sitzt auf einem Stuhl vor dem steinernen Tische, um den sein Bart schon zweimal gewachsen ist; seine Füße ruhen auf einem Hunde, während ein zweiter vor der Tür Wache hält. Dem König dient ein Knappe. Aus einem Fäßchen trinken sie Wein, und jeder hat seinen eigenen Humpen- Doch der Wein wird nicht alle. Auf dem Fäßchen sitzt ein Vogel, der fliegt um den Berg, so oft der Bart seines Herrn um den Tisch gewachsen ist. Er schaut, wie die Sachen in der Welt draußen stehen, und bringt seinem Gebieter davon Nachricht. Der König trägt nur ein Hüftenkleid, doch wenn Besuch kommt, kleidet er sich in altdeutsche Tracht und empfängt die Gäste in dem großen Saale neben dem Gemache. Der Knappe trägt ihm dabei den langen Bart nach. - Mit ihm lebt ein großes Heer im Berg; er übt es oft in den Waffen, und damit man den Lärm nach außen nicht vernehme, entsteht jedesmal ein arges Donnerwetter. - Ist der Bart dreimal um den Tisch gewachsen, dann ist auch der Wein alle und der König bricht mit seinen Scharen hervor aus dem Berge zum letzten Streite. Dann zieht er gen Mitternacht, um die Entscheidungsschlacht zu kämpfen mit dem Antichrist, der alle seine Diener um sich geschart hat und nun in furchtbarem Kriegswetter von Norden her anrückt. Bei Teuschnitz im nördlichen Oberfranken kommt es zum Treffen in der Nähe des Hügels, der einst eine Gerichtsstätte trug. Furchtbar wütet der Kampf; so stark wird das Blutvergießen, daß vier Tage lang die nahe Wiesenmühle von einem Blutstrom getrieben wird. Leuchtend allen voran kämpft der Kaiser; aber - der Hort der Christenheit fällt. Der Heidenkönig füttert sein Roß auf dem Altar der Kirche zu Teuschnitz, und die Stadt geht in Flammen auf. Dann zieht er westwärts. Sengend und brennend verüben die heidnischen Horden Greueltaten, bis endlich ihr Führer zwischen Mainz und Worms von einem alten Weibe mit einem Waschbleu erschlagen wird. Dann endlich wird Friede; nur wenige Männer sind der Wut des Kriegsschwertes entronnen. Der König von Bayern setzt sich die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt und herrscht mächtig und gerecht über alle Völker.

Verwiesen sei schließlich auch noch darauf, daß auch Kaiser Barbarossa im Ochsenkopf eine Heimstatt hätte. Hier liegt offensichtlich eine Übertragung der Vorstellungen vor, wie sie für Karl den Großen angegeben sind. Barbarossa als der spätere große Kaiser des Mittelalters wurde offensichtlich (als der zeitlich zur Sagenentstehung nähere) in Karls Rolle eingebracht.

In engem Zusammenhang mit diesen Sagen besonders zum ruhenden Kaiser Karl sind die beiden folgenden, auf das gleichzeitig im Berge schlafende Heer und dessen Waffenund Einsatzbereitschaft bezogenen Darstellungen zu sehen.