aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Friedensstiftung am Ochsenkopf

Deutlichere historische Bezüge ergeben sich allerdings bei der folgenden Sage:

Einst soll der Fichtelberg (Ochsenkopf) die Grenze zwischen den Franken und den slavischen Wenden gewesen sein. Die Wenden haben auf dem Fichtelberg die Sonne als ihren höchsten Gott verehrt. Sie galt ihnen als die Beschützerin und Erhalterin der Erde. Zu den wendischen Festen zündeten sie Freudenfeuer an und trieben heilige Stiere um das Feuer herum. Der Stier war nach ihrer Lehre der Sonne heilig; auch galt er bei den Wenden als Zeichen der Stärke, Kraft und Männlichkeit. Während die Wenden von der einen Seite den Ochsenkopf bestiegen, kamen von der anderen die Franken, auch sie wollten ihren Göttern dort opfern. Deshalb kam es zu Zusammenstößen auf dem Ochsenkopf. Es sollen sich daraus langwierige Kämpfe und tiefe Feindschaft entwickelt haben. Schließlich sei der Streit dadurch geschlichtet worden, daß ein Frankenfürst eine wendische Königstochter zum Weibe genommen hätte. Die wendische Königstochter sowie der Fürst wären oft einsam zum Fichtelberg emporgestiegen, um dort oben zu beten. Dabei hätten sich die beiden kennen- und liebengelemt. Die Hochzeit des Paares soll auf dem Ochsenkopf stattgefunden haben. Das Paar wurde von den Oberpriestern der beiden Völker gesegnet. Mit dem Hochzeitsfest wurde zugleich ein gemeinsames Friedensfest zwischen den beiden Völkern gefeiert, die sich in Zukunft eng vermischten. Zum Zeichen des Friedens ließ der Wendenkönig den Stierkopf (Ochsenkopf) in den Stein hauen. An diesem Steinzeichen schlossen dann der Frankenfürst und der Wenderikönig ein Treuebündnis. Sie legten ihre Schwerter nebeneinander als Zeichen dafür, daß ihre Völker in Zukunft friedlich nebeneinander leben wollten. Lange Zeit kamen zur Sonnwendfeier die Bewohner der umliegenden Dörfer auf dem Ochsenkopf zusammen, um gemeinsam dieses alte Fest zu begehen. (BS). Interessant sind in diesem Zusammenhang die folgenden Anmerkungen, die sich bei Kunze 1938 im "Heimatboten" finden, aber auch in anderen Quellen in ähnlicher Weise vermerkt sind: Im Jahre 1823 unternahm Christoph Büchner, Direktor des Lehrerseminars zu Nürnberg, eine "Luftreise von Nürnberg ins Fichtelgebirge", die er auch beschrieben hat. Es war am 10. Mai, daß die Gesellschaft den Ochsenkopf bestieg, aber wegen dem schlechten Wetter nur wenig Genuß davon hatte. ,Nach der Aussage unseres Führers sollen in dem grauesten Altertum die Heiden auf diesem Berg einen Gott verehrt haben, dessen Haupt die Gestaltung eines Ochsenkopfes hatte, - auch von Gnomen und gar wunderlichen Dingen fing er an zu erzählen."

Man darf daneben stellen, was der Fichtelgebirgsforscher und Heimatkundler Scherber berichtet:

,Ehehin hegte der Aberglaube die Meinung, daß der Berg von Familien der Pygmäen und Bergzwerge (Moosmännchen und Moosweibchen) bewohnt würde, welche sich bisweilen von den Gebirgsbewohnern sehen ließen, die sich mit ihnen vertraulich unterhielten, ihnen allerlei nützliche Lehren erteilten und sie auf die Zeichen der Zeit aufmerksam machten." Nach Scherber u. a. scheinen die Ochsenkopfsagen aus einem hohen Altertume herzustammen und einen Beweis zu enthalten, daß diese Gegend etwa zu derjenigen Orten gehört habe, wo ein Orakel anzutreffen war, deren Aussprüche die Deutschen in wichtigen Angelegenheiten einzuholen pflegten. Auch der das Fichtelgebirge beschreibende Henze erklärt die Ochsenkopfkuppe für einen gottesdienstlichen Ort der Vorwelt. Dazu Kunze: Hierin gibt man ihm gewiß sehr gerne Beifall, inwieferne nicht von den Slawen, sondern von den Deutschen die Rede ist. Wie alle übrigen Völker des Altertums, verehrten auch die Deutschen ihre Gottheiten auf Bergen, wo der Mensch so viele und große Gegenstände vor sich hat und wo das Herz am ersten dem Eindruck religiöser Gefühle offen steht ... Vielleicht, daß auf diesem Berge etwas ähnliches vorgefallen ist. Am Johannistage war der Ochsenkopf ehehin gewöhnlich mit einer Menge wallfahrtender Menschen angefüllt."