aus dem amtlichen Schulanzeiger mit freundlicher Genehmigung der Regierung von Oberfranken/Schulabteilung

Der Welsche vom Ochsenkopf

Ein Mann, der auf einem Einzelhof in der Nähe von Bischofsgrün wohnte,wollte den Gottesdienst in Bischofsgrün besuchen. Kurz bevor er die ersten Häuser des Ortes erreichte, trat ein fremder Mann zu ihm mit dem Begehren, ihn auf den Ochsenkopf zu geleiten. Der Bauer lehnte dieses Ansinnen mit der Bemerkung ab, daß er die Kirche nicht versäumen wolle, es werde bald zusammenläuten. Der Italiener aber - als einen solchen erkannte ihn der Mann - meinte lächelnd, wenn es weiter nichts sei, so solle er getrost mitgehen, er werde vorsorgen, daß noch Zeit genug zum Kirchgang übrigbleibe. Da machte sich der Bauer mit dem Fremden auf den Weg, freilich ohne besonderes Vertrauen auf dessen Zusicherung. Sie erstiegen den hohen Berg, sprachen dies und das und traten endlich den Rückweg an. Wie sie nun durch den Wald herabkamen, fragte der Welsche seinen Begleiter, ob er wohl einen Hirschen schießen wolle, wenngleich er sah, daß dieser kein Gewehr mit sich führte. Und sieh', im selben Augenblick stand ein mächtiger Edelhirsch dicht neben dem Weg im Gestänge. Da merkte der Bauer freilich, daß der Fremde geheimer Künste mächtig sei. Wie die beiden wieder im Dorf anlangten, begann es zur Kirche zu läuten, und der Bauer konnte dem Gottesdienst noch beiwohnen, obwohl der Weg zum Gipfel des Berges allein eine Stunde erfordert. B.S.